Alisar - Paris

  • Alisar ist traumhaft schön. Kleider mit solchen Ausschnitten finde ich allerdings selbst bei Frauen mit Idealfigur scheußlich, vor allem, wenn wie hier ein bäuerliches Blumen- und Regenwettermuster sowie ein im Vergleich zum knallengen Oberteil unproportioniert weit wirkender Rock zusätzlich verstören. Da kann Alisar natürlich nichts für.

  • Beim ersten Blick auf die kleinformatigen Instagram-Bilder hab ich das auch als widersprüchlich im Sinne von schwach und unausgegoren gesehen - und mich nicht weiter damit befasst. "Wieder ein Startversuch mit viel Geld im background; sie kommen und gehen."


    Aber die Instagram-Bilder täuschen. Das Format ist einfach untauglich, Mode nahezubringen. Bei Madame/Le Figaro gibt's die Schau mit besseren Bildformaten; ebenso auf Tima Abids Homepage. Das ist gar nicht bäuerlich, das ist modernistisch aufgepeppte Ornamentalgrafik in bauernfernstem Kunst-Handwerk genäht. Luxus der aberwitzigen Klasse. Es stinkt nach reichem Arabien. Aber wo bitte gibt es Arabien derart freizügig im öffentlichen Raum? Bei den Libanon-Designer, die Paris und vor allem die Coutures so stark bevölkern finde ich das jedenfalls in solcher Luftigkeit nicht. (Im Fashion Film auf der Homepage kann man Alisar übrigens in dem noch freizügigeren zweiten Outfit sehen.)


    Das ist Quintessenz westlichen Sexismus auf arabisch. Du denkst erst, das kennst du schon: aus Dubai halt, dem arabischen Fashion-Mekka, in dem auch Heidis ihren Furne One gefunden hat. Aber das ist es nicht. Das ist das konservativste Arabien schlechthin: Mitglieder der saudischen Königsfamilie sitzen im Publikum und die Vogue Arabia ist mit der kompletten Spitze anwesend. Eine Chefredakteurin schreibt die Schau dort in dem Himmel und setzt Tima Abids Selbstanspruch in die Titelzeile: "Chanel of Saudi Arabia" zu werden.

    Quote


    “I want to be the Chanel of Saudi Arabia. I want to show that the Saudi woman can do it,”


    Erstes Haus in Riad. Ok. Von einer Frau geführt. Da verspüre ich Respekt. Aber dann diese Kollektion? Wenn ich in großer Auflösung nur die Details betrachte, dann bin ich schon auch beeindruckt. Aber diese Mischung aus arabischem Frauenaufbruch, knallhartem business im Superwachstums-Markt des arabischen Luxuskonsums und diesem High-Tech-Sexismus ... puh, da fehlen einem doch die Worte.


    Ich vermute aber: das ist ernst zu nehmen. Die Vogue Arabia, die das so hochjubelt, gehört in ein verwandtes Muster. 2016 gegründet worden, erst als digitales Medium und dann im Frühjahr 2017 als Printausgabe. Erstes Covergirl: Gigi Hadid. Firmensitz rechtlich: Emirate. Geschäftsadresse: Dubai. Erste Chefredakteurin: eine saudische Prinzessin. Der Condé Nast CEO Newhouse hatte zehn Jahre vorher noch voll ins Horn des Kulturkrieges geblasen, als er die Offenheit des arabischen Raums für nicht gegeben hielt und ein en Vrgängerplan abblies. Dann aber hat ihn das Geld doch gelockt. (Und außerdem waren die anderen imnzwischen da: Bazaar und Elle und tutti quanti...) - Die Prinzessin galt übrigens als Türöffnerin. Aber nach zwei Ausgaben wurde sie gefeuert...


    Mit Rami al Ali und den Asci Studios war der Golf schon lange Gast der Coutures. Mit Valentino und Balmain ist er es natürlich auch finanziell schon länger. Und dann die große Reihe der Designer aus dem Libanon: Elie Saab, Zuhair Murad, Tony Ward, George Hobeika, die ja auch alle arabischen Einfluss in die Mode bringen. Ich vergess jetzt gerade sicher einige.


    Aber geh ... mir fällt keine Frauenname ein. Da ist schon auch was Neues.