Casting Direktoren

  • Ich hab mich - endlich - mal an das Thema der Casting-Direktoren gemacht: Wer sind sie? Wer arbeitet für wen? Und vor allem: Wie arbeiten sie? Und ich fühl mich eigentlich bestätigt in dem lang gehegten Verdacht, dass man die Fashion-Shows besser versteht, wenn man diese Zunft beachtet.


    tfs hat gut vorgearbeitet. Stereo Flo hat für die Saison AW14 eine Liste vorgelegt, welche Casting-Directors für welche Show gearbeitet haben. Im letzten März haben dann anlabe32 und andere eine weitere Liste für AW15 mit CDs und Stylisten zusammengetragen. Und ein Posting von marqueemoongibt In dem einschlägigen thread Casting Directors: Who are they, what they do, News etc., einen Überblick über den Standardablauf der Arbeit von Casting Direktoren.



    In Stichpunkten zusammengefasst sieht das so aus:
    1.) Ein "precasting" mit Hunderten von Models, die von ihren Agenturen dorthin geschickt werden. Oft ohne Topmodels.
    2.) Im Ergebnis haben sie Yes- No- und Maybe-Stapel von Compcards für meist mehrere Klienten.
    3.) Damit werden die Kunden kontaktiert; in Zusammenarbeit vor allem mit deren Stylisten enstehen Wunsch-Boards.
    4.) Danach wird mit den Agenten der Models verhandelt und es kann
    5.) der nervige First-Option-Clinch mit anderen konkurrierenden Shows beginnen.
    6.) folgt vor der Show noch ein Fitting, wo dann u.U. Models noch ausgetauscht werden müssen.


    (In Videos zu Castingprozessen hab ich im Fall von James Scully und Angus Munro gesehen, dass die CDs nicht nur während der Fittings, sondern auch noch backstage vor und während der Shows dabei sind.)


    Das Interessanteste daran, neben der Bedeutung der Stylisten, fand ich die Information, dass Castings oft für mehrere Shows abgehalten werden. Marqueemoon spricht vermutlich von "precastings", weil die Vorstellung der Models für die CDs nur der erste Schritt im Prozess der Show-Besetzung sind - für die Models ist das natürlich DAS Casting.


    ***


    In den Interviews mit führenden Casting Direktoren sind die Massencastings selten ein besondrer Punkt. Vielleicht weil's einfach der stressigste und am wenigsten glamouröse Teil ihrer Arbeit ist und sie dort mehr wie Fließbandarbeiter und weniger wie Künstler erscheinen?


    James Scully (er castet für Carolina Herrera, Derek Lam, Tom Ford, Stella McCartney, früher auch Jason Wu und Oscar de la Renta) beschreibt in einem fashionista Interviev von 2014 seine Arbeit so, als würde sie mit dem Durcharbeiten der Show Packages beginnen. Cirka 3 Wochen vor den Septembershows sind plötzlich alle in town und die Packages da. Die werden dann komplett durchgearbeitet.



    I'll go through every single one of them and compile a list of girls from each agency that I want to see. Then later this week, I'll literally see every girl from all of those packages from all of those agencies. After that's done, I'll select a group of each of those girls that would be potentials for each of my clients. Then they go to see the clients, and after they see them, we finalize the cast and set up their fittings. That's everything that happens before the show.



    Viele seiner Kunden nehmen zu 70% Models, mit denen sie schon gearbeitet haben, sodass er eigentlich nur die 30% new faces casten muss: "a lot of the time your cast is predetermined". Am Ende von New York castet er dort schon für London - und hat dann, weil er nicht für Mailand arbeitet, eine Woche Luft für Paris:



    London basically has to be done from New York, because the girls leave the next day and a lot of girls fly in and go straight backstage. Because I do London, that's why I do less in New York because I already have to start moving on that. I don't do Milan so I have a week before I have to start working on Paris. But again, in Paris I do Stella McCartney and she has a very definitive Stella girl, so it's a 70/30 swap out, because when she likes a girl she likes her to come back.



    Wobei ich aus den Listen nur Tom Ford as Londoner Klienten sehe. Seit der in London nicht mehr zeigt hat Scully wohl mehr Zeit für Stella. Das "I don't do Milan" ist dabei wohl eine Redeweise von New Yorker/Londoner CDs, die etwas darüber hinweg gleitet, dass CDs aus New York generell wenig in Mailand machen. Die Mailänder Shows sind stark in Händen von Italienern. Paris ist gemischt, aber stärker von italienischen als angelsächsischen CDs betreut. Franzosen sind in dem business offenbar selten. Dafür verteilen sich die großen Pariser Shows aber auf mehr Casting Direktoren; selbst die bedeutenderen CDs machen oft nur eine oder zwei Shows. Paris ist exklusiver.


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    Angus Munro ist wie Scully seit den 1990ern im Geschäft, zuerst als mainboard-Betreuer für Elite London bevor er sich mit Noah Shelley zusammentat und als Casting Director selbtständig machte. Er castet eine Vielzahl von Shows, um die 25 pro Saison, aber weniger die ganz großen (die größten dürften Kenzo, Preen, Erdem und DKNY sein) und mehr avantgardistische Labels - was auch dazu passt, dass er seit 2014 fürs id-magazine castet. Rick Owens scheint er besonders zu mögen. (Und da er auch Undercover gecastet hat, dürfte er auch Anna gesehen und befürwortet haben.)


    In mehreren Interviews hab ich Munro die (Massen-) Castings gar nicht erwähnen sehen. Er spricht als wüsste er immer schon, welche Models interessant sind und die Frage wäre nur noch, ob sie gerade bereit sind.

    Quote

    ...generally i’d meet with the designer, find out what the collection is about, look at the collection in terms of casting and find out who’s available. I’ll start with an ‘A’ board and discuss it with the stylist, who always have an opinion. It’s then down to whether the girl is available and whether they fit in the clothes etc. (Interview mit ftape, vermutlich 2012)


    Was ihn scheint's ständig umtreibt ist die Frage der Exclusives. Und ein Blick auf seine Kundenliste verrät schon: er hasst es. Die Macht der Großen beschränkt seine Möglichkeiten. Aber was er dazu sagt ist schon interessant:


    Quote

    The thing I hate most is the idea of exclusivity. It’s just muscle flexing by big brands over smaller ones. We never do it apart from if we are specifically flying a model in for a show. I think it’s old fashioned and bullying


    Wobei er das bullying wörtlich meint:


    Quote

    ... there’s still this culture of bullying that dates back to the nineties. People that shouted the loudest and the nastiest were the most successful but things are changing.

    If you look at Hedi [Slimane] and Raf Simons, the good guys are coming. The big casting positions are coming available. The older guys are stepping aside.


    ****


    Was die Exkluisves angeht hält Anita Bitton in einem Vogue-Interview (19.8.2015) dagegen:

    Quote

    I don’t disagree with exclusives, I think nurturing the designer-muse relationship is important for many reasons.

    Und siehe da: sie arbeitet für einem Designer, der sich tatsächlich regelmäßig seine Musen sucht und sie fördert: Alexander Wang. Außerdem für Marc Jacobs, Sonia Rykiel, Giles und Topshop - ziemlich regelmäßig in Zusammenarbeit mit der Stylistin Katie Grand. Sie scheint an Einfluss zu gewinnen und castet seit neuestem wohl auch für Miu Miu, was in dem oben erwöhnten tfs-Thread viele entsetzt.


    Bitton hat sympathischerweise das Lernen der Models stark im Fokus. Aber obwohl sie die Maßnahmen gegen die Beschäftigung von Unter-16Jährigen unterstützt ... sieht man sie doch von den Models als "kids" sprechen:


    Quote

    It won’t be easy, but models need the opportunity to learn, to graze their knees and get back up again. These kids are splendid, they’re brilliant. I like it when they love it.

    Das Lernen ist ihr Hauptpunkt gegen das "Entdecken" von Models. Alexander Wang mag z.B. vielleicht Anna Ewers "entdeckt" haben - aber
    damit war Anna noch kein Star.

    Quote

    These girls don’t become stars overnight, none of them do. You name me one. It just doesn’t happen, there’s a lot that goes into it. Just because I go to Sweden and see a girl at an agency, she isn’t being discovered—she’s a model waiting to be booked. Anna Ewers is a good example; Alex [Wang] sent me a picture of Anna—love this girl—she drove in from Germany to meet Alex, he met her, liked her, but she was really, really green. So then, what he did—what he’s always done—was keep in touch with the girl, because you make your girl. It’s that familiarity. And so she came back, and did another season, and did Valentino, and it happened very slowly. When a designer sees a model that he loves, you know, that designer-muse relationship is unbreakable, and he did discover her for that moment, but it took more than “discovery” to make her a star.

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    Nachdem 2011 bekannt wurde dass er sich von IMG und WOMEN hat bestechen lassen, um deren Models verstärkt zu berücksichtigen, ist Russell Marsh vom Thron der Casting Direktoren gestürzt worden. Seine Erbin, zuerst bei Prada und Miu und Miu, dann als vielfach angesehene Nummer 1 des Geschäfts ist Ashley Brokaw. J.W.Anderson und Loewe, Proenza Schouler und Hugo Boss sind ihre Kunden. Mit Nicolas Ghesquière arbeitet sie seit 10 Jahren zusammen, früher für Balenciaga, jetzt für Louis Vuitton. Bei ihr gehören Exklusives fest zum Job - aber sie scheint auch stärker als andere auf der Jagd nach neuen Gesichter zu sein. Und es sind nicht die Supermodels, sondern mehr die "slow burner", die sie sucht.


    Das T magazine stellt in einem großen Brokaw-Porträt Lineisy Montero, Rianne Van Rompaey, Fernanda Ly, Amanda Murphy, Harleth Kuusik, Malaika Firth, Mica Arganaraz, Aya Jones. Andernsorts werden Jamie Bochart oder Hanna Gabi Odiele zu den typischen Brokaw-Models gezählt.

    Quote

    “You wouldn’t know most of the girls that are on the runway today were models,” Brokaw says. “They could all be sitting here and you probably wouldn’t recognize them, wouldn’t necessarily guess they were models at all.”

    Wenn man den Artikel liest, scheint Brokaw die Welt regelrecht nach Brutplätzen für gute Models abzuscannen (Australien wäre an sich prima, aber Sonne und Beach ruinieren die Modelkarrieren ... ). Und sie besucht z.B. gerne Eltern: um die Endgröße der Mädel abschätzen zu können. Zu ihrer Art der Modelsuche gehört das Wartenkönnen auf den Moment, wo die Mädel "reif" sind fürs business.


    ***


    Noch auf dem Höhepunkt seines Ruhms hat Russell Marsh für wwd 2011 die 5 Großen des businiess vorgestellt. In einem Artkel, den ich mangels Subsciption nicht lesen kann. Aber Maida & Rani zählten dazu. Und zählen sich noch: mit gut 20 Shows in der Saison und einem halben Dutzend der größten darunter. Gleichzeitig steht der Name der beiden immer an vorderster Front wenn es um Rassismus-Diskussionen geht. Die größen "Skandale" in Sachen komplett oder fast komplett Weiß (wie Shows von Calvin Klein, Jil Sander und Dior unter Raf Simons) gehen auf ihr Casting-Konto. 2013 gab's eine größere Diskussion, mit einer buzzfeed-Befragung von 5 Top-Casting-Direktoren zum Thema (siehe auch den Artikel Racism and the Fashion Industry).


    Dass Maida&Rani auch anders können haben sie mit Zac Posen's letzter Show bewiesen, dessen Cast überwiegend schwarze Models enthielt.
    Von ihnen selber ist im Netz nicht so leicht was zu hören. Ich hab jedenfalls nichts gefunden. Aber hier im Forum könnte das Duo gewisse Sympathien für sich eimheimsen durch die Tatsache, dass sie AW15 nicht nur Dior gecastet haben, wo Ivana lief, sondern auch Andrew Gn und Masha Ma... (Ein Pendant in London wäre übrigens Sarah Murray, die Julien MacDonald und Peter Pilotto castet.)


    ***


    Die Nummer 1 in Italien könnte derzeit Piergiorgio Del Moro sein ("#pg_dmcasting" ist zumindest das Danksagungs-Tag, das mir am häufigsten begegnet ist). Er ist tatschlich in allen Big4-Cities mit großen Shows vertreten. Aus Interviews und Porträts in The Fashionography und Vogue hab ich leider nicht viel über ihn erfahren können, weil die Redakteure mehr Interesse an Blabla und Wichtigkeitsbehauptungen
    und keinerlei ernsthafte Fragen hatten.


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    John Pfeiffer
    castet für Shows in New York (Michael Kors, Vera Wang, Diane von Fürstenberg, über 10 Jahre auch für Donna Karan), Mailand (Bottega Veneta) und Paris (Chalayan, Nina Ricci, H&M und Akris) - und die vermutlich meist beachtete Show außerhalb der Big 4. Als Filipino glaub ich ihm ja die Freude darüber, dass nicht bloß die Zahl der asiatischen Models wächst, sondern im business zunehmend von chinesischen, koreanischen, japanischen etc. Models gesprochen wird. Aber sein Plädoyer für diversity zum einen ...


    Quote

    We need to take action. Fashion exists in a space that is about what’s next and what’s new. Certainly designers such as Yves Saint Laurent can be credited with making major strides in diversity — but I’m more interested in how that carries over into today. How can we as a community create a bold, empowering, and inclusive aesthetic? It’s something that is always on my mind.

    ... und dann auf der andern Seite: sieht man das den VS-Shows an? Sieht an das bei Michael Kors und DvF? Das kauf ich ihm ungefähr soweit ab wie seine Aufrichtigkeit über Gigi und Kendall auf der VS Show :

    Quote

    But I say this truthfully and sincerely: I think Gigi and Kendall make it in based on merit. You can’t deny that they’ve got this incredible following and have great backstories, but they have proven themselves as models. They’re not dilettantes; they’re both professionals.

    Ein Schelm wer was denkt... Jahr für Jahr die Berichte von den härtesten body-checks der Welt, das gnadenlose Casting, das alle Supermodels zittern lässt. Und dann wird Gigi bescheinigt, sich als Model erwiesen zu haben und professionell zu sein. :)


    So sind sie, die CDs ...

  • Wow, das ist ja super spannend. Auch das mit Russell Marsh. Wußte ich (natürlich) gar nicht.

    "You can do whatever you dream of. You just need to be determined and not be scared to go all the way. Get up, get out, motivate yourself and be inspired. What are you waiting for?" (Rianne van Rompaey)

  • Vielen lieben Dank, hexe! Ich finde das Thema Casting Direktoren auch sehr spannend. Ich habe mich damit allerdings auch erst letzte Saison ein wenig beschäftigt und war ziemlich überrascht, welche "Macht" sie doch ausüben.

  • Danke Dir Hexe für Deine Mühe das zusammenzutragen. Das war super interessant zu lesen! Diese Kombination Anita Bitton für Alexander Wang und die Entdeckung von Anna Ewers kannte ich schon, aber schön es nochmal hier zu lesen. Ja da hatte Anita ihr Händchen mit im Spiel. Ja Anna musste auch erst zu dem werden was sie heute ist. Sie war kein Star über Nacht. Aber ich finde es toll, dass diese CD und auch die Designer so ein Auge haben. Also einen Rohdiamanten erkennen. Ich finde das absolut spannend. :) Ja entdeckt hatte sie Alexander auf einem Block aber zu dem gemacht, über einen langen Zeitraum das war Anita und auch andere, toll ist für mich immer so eine Model Karriere mitzuverfolgen.

  • Der Casting Director James Scully hat vor wenigen Tagen bei einer Art Podiumsdiskussion von BOF (Business of Fashion, eine britische Website über die Modeindustrie) sehr offen (bis auf dass er keine Namen genannt hat) Missstände in der Modeindustrie angeprangert, insbesondere was das Casting-Wesen und den Umgang mit Models angeht. Das Video ist zwar lang, aber ziemlich sehenswert. http://www.businessoffashion.c…-discrimination-of-models

  • Ich hab mir das Video angesehen. Bei manchen der Geschichten wird mir schlecht, das ist sogar noch schlimmer, als ich es mir vorgestellt habe. Mal sehen, ob was bei raus kommt.

  • Scully zieht schon länger gegen Missstände zu Felde. Die Stories sind jetzt teilweise drastischer und könnten juristische Folgen nach sich ziehen, da hat er vielleicht aus Vorsicht die "Täter"-Benennung etwas reduziert. Er hat aber vorher - z.B. in dem buzzfeed-Interview vom Juni 2013 - schon sehr deutlich Namen genannt; da konnte er es jetzt bei Andeutungen belassen.



    Da kämpft aber auch einer für eine bestimmte ästhetische Linie, es hört sich immer wieder nach Beschwörung der good old times an, und da bin ich keineswegs sonderlich überzeugt von ihm - vor allem auch nicht, was seine angedeuteten goldenen Zeiten der diversity auf den Runways angeht. Das kann ich den 90er Shows, die ich kenne, nicht entnehmen, und die Theatralik der Linda Evangelista und Nadja Auermanns mit der "wir sind die Stars"-message ist auch nicht gerade meins.


    Ob er was erreicht? Prada und Co heuern ja statt der Scullys und Munroes eher weiter die Brokaws an, die längst ein internationales Rekrutierungs-System für ihre Models entwickelt haben. Die Exklusives nehmen im Umfang eher zu, und damit sicher auch die Macht von CDs über Modeltalente. Selbst bei models.com scheint's ja inzwischen die Tendenz zu geben, dem Exklusive-Wahn die Weihe von beachtenswerten Modelleistungen zu verleihen. Da bin ich eher skeptisch, dass Scully groß an Raum gewinnt.


    Die Kritik der Exklusives und die Kritik der underaged-Models finde ich am überzeugendsten. (Würd ja auch mal gerne wissen, wie alt die schwangeren Models waren, von denen er sprach.) Aber kommt die Gesetzgebung bei den Altersbegrenzungen eigentlich praktisch voran?

  • Ich glaube, daß James Scully die guten alten Zeiten doch sehr durch die rosarote Brille betrachtet und die Zustände damals wahrscheinlich schon die gleichen waren und ihm nur in seinem Enthusiasmus und seiner Unerfahrenheit nicht so aufgefallen sind.
    Trotzdem ist es vollkommen richtig, daß er die Mißstände benennt. Kein Mensch hat das Recht, sich einem anderen gegenüber wie ein Arschloch zu benehmen, und was er da teilweise schildert, ist schon heftig. Vor allem sind das auch systematische Mißstände, sowohl das Verhalten gegenüber den Models als auch dieser irrsinnige Jugendwahn, bei dem eine 17jährige Modelanfängerin quasi schon als Spätstarterin gilt. Wobei die Mißstände auch nicht alle nur unbedingt für die Modewelt typisch sind, denn daß man gegenüber jungen Nachwuchskräften, Frauen und/oder als Ausländer erkennbaren Personen abwertend und fies agiert, das dürfte sich durch alle Berufsgruppen ziehen. Ich glaube, im Modebusiness fällt es vielleicht mehr auf, weil sich da mehr als in anderen Branchen Menschen tummeln, die sich für das Größte halten und deshalb glauben, mit anderen nach Lust und Laune umspringen zu können. Und dort scheint es halt auch weniger Konsequenzen zu haben, wenn die sich aufführen wie die Axt im Walde.

  • Würd ja auch mal gerne wissen, wie alt die schwangeren Models waren, von denen er sprach.

    Hierzu dieser Post auf seinem Instagram-Account: http://www.instagram.com/p/BNpYtmujiiP/
    Das zweite schwangere Model, von dem er redet (das nach dem Verhalten der Stylistin in Paris keinen Fuß mehr fassen konnte, nachdem es vorher wohl auch aufgrund des Drucks, den sie ihr gemacht hatte, dünner zu sein, hat abtreiben lassen) scheint zumindest noch nicht volljährig gewesen zu sein.


    Ich bin auch kein Fan der Theatralik der 90er-Jahre Models. Und mir gefällt die Ästhetik der Models und vieler Modenschauen aktuell eigentlich sehr gut, daher habe ich beim Betrachten des Videos schon manchmal denken müssen, wie sehr ich meine eigenen Vorlieben hinterfragen müsste, wenn ich dieses erpresserische, Weiblichkeit und Individualität verachtende System, das er anprangert, nicht (wenn auch auf ganz niederschwelliger Ebene - zum Beispiel durch Kauf von Modezeitschriften) unterstützen möchte. Für mich bleibt da erst mal ein innerer Widerspruch bestehen. Und auch wenn das unbequem für mich ist bin ich froh darüber, dass jemand, der wirklich weiß, was in der Modeindustrie Sache ist, solche Dinge offen ausspricht und es damit auf dem Tisch ist und nicht als irgendwie waberndes Gerücht nicht so richtig greifbar ist, wie extrem stark und zum Teil menschenverachtend der Druck ist, dem viele Models ausgesetzt sind.
    Mich würde übrigens auch sehr interessieren, wie verbreitet es tatsächlich ist, dass Models und insbesondere minderjährige Models Adderall einnehmen um keinen Hunger zu haben und nicht müde zu werden und welche Ärzte so ein System unterstützen. :thumbsdown2:


    Ach ja, bei dem Instagram Post fand ich übrigens auch die Kommentare lesenswert: Zum Beispiel Teddy Quinlivan, die ihm dafür dankt "denen eine Stimme zu geben, denen es nicht erlaubt ist, eine zu haben" und Katie Moore (ja vermutlich eines der beklagten Frisuren-Opfer, auch wenn sie die Ausnahme ist, die wirklich zumindest kurzfristig davon profitieren konnte), die dem zu hundert Prozent zustimmt.

  • Hat er das über die 2 Balenciaga CDs nicht schon mal in dem Interview erzählt? Kommt mir bekannt vor. Gut aber, dass es endlich mal angesprochen wird. Diese 2 scheinen ja zumindest gefeuert.

  • In der Washington Post gibt es einen Artikel über James Scully. Steht jetzt zwar nichts neues drin, außer Scullys schon bekannter Kritik am aktuellen Modelbusiness, aber vielleicht ist der Artikel doch interessant:
    www.washingtonpost.com/lifestyle/style/james-scullys-radical-idea-for-the-fashion-industry-treat-models-like-human-beings/2017/05/01/f6ec978a-1bd7-11e7-bcc2-7d1a0973e7b2_story.html?utm_term=.c88b924812cd

  • Ein Bericht des dänischen Models Ulrikke Hoyer über eine Streichung aus dem Cast der LV Cruise Show durch eine Casting-Mitarbeiterin:


    www.facebook.com/media/set/?set=a.10211363793802257.1073741827.1583644348&type=3


    Kurze Zusammenfassung: Das Model wurde für die Schau von LV in Kyoto gebucht. Das Hüftmaß von 92 war allen bekannt und sie war einen Monat zuvor beim Fitting in Paris. Beim zweiten Fitting in Japan aber wurde von einer Mitarbeiterin der Castingdirektorin gesagt, dass sie zu dick sei und nichts mehr essen sollte. Später wurde ihr dann erklärt, dass sie die Schau nicht laufen dürfe und zurück fliegen sollte.


    Ich habe das jetzt hier gepostet und nicht im Thema zu dick zum Modeln. Ich möchte jetzt auch nicht über den Fall urteilen, solange ich die Geschichte nur von einer Seite kenne, aber die Geschichte sollte zumindest bekannt sein.

  • Danke für die Info. Hatte mich schon gewundert, weil sie auf Instagramm aus Japan gepostet hatte. Evtl. erklärt das auch, warum sie so wenig in der letzten Saison gebucht wurde, d. h. dass sie Probleme mit ihren Maßen hatte.


    PS: Finde es gut, dass sie das publik macht.

    "You can do whatever you dream of. You just need to be determined and not be scared to go all the way. Get up, get out, motivate yourself and be inspired. What are you waiting for?" (Rianne van Rompaey)

  • Zwei der Topmodels der letzten Saison, denen ich gefolgt bin, waren zugleich sehr akribische Danksagerinnen an die Adresse von Casting Direktoren und Stylisten, und da sie das überdies nicht wie andre wenige Wochen später wieder gelöscht haben, fiel mir jetzt auf, dass ich allein damit schon ein nicht uninteressantes Wissen zu mehr als 60% der Topshows an die Hand bekommen hatte. Also habe ich da noch ein wenig weiter geforscht und habe jetzt einen Blick azuf annähernd alle Schauen, die wir im Runway Agent-Spiel in die erste und zweite Kategorie eingeordnet haben, und übers Surfen auf den Instagram-ASccounts der Beteiligten noch reichlich weitere Infos zu Shows aus dem dritten Bereich.


    Also mit Dank an Rebecca Longendyke und Fran Summers, sowie Sarah Dahl und einigen anderen Topläuferinnen hier mal meine Ergebnisse in zweifacher Anordnung:
    a) die Topshows, zeitlich geordnet
    b) die meistgebuchten Casting-Direktoren und -Agenturen



    a) Casting-Direktoren und Stylisten der Topshows


    Das sind die Shows, die wir bei Runway Agent mit 2500 oder 1500 bewertet haben, auf meinem letzten Stand. Die Shows sind unabhängig von ihrer Kategorie zeitlich geordnet, was vor allem für die Mailänder Shows besonders beachtlich ist:





    ***


    Puh, die Formatierung hat Zeit gekostet, der Rest kommt später in nem eignen Post.

  • b) Die meistgebuchten Casting-Direktoren und -Agenturen


    Hier sind jetzt mehr Shows berücksichtigt; auch damit sind die BIG4 lange nicht vollständig, aber glaub ich schon mal ganz gut im Blick. Vor allem ist hier auch die Masse der "Kleinen" zu ahnen, die sich wie die Stylisten im Umfeld der Modemagazine häufen und einen Kern des öffentlichen Fashionsbetriebs bilden.


    Die Liste ist alphabetisch und unsortiert, um's mal etwas paradox zu sagen: es sind immer nur die Erstgenannten berücksichtigt und das beißt sich etwas mit der Tatsache, dass die Casting Direktoren häufig in Agenturen zusammenarbeiten. Bei Piergiorgio Del Moro dürfte das ein nur kleiner Mangel sein, weil er wirklich das Haupt seiner Agentur ist. Bei Angus Munro und Noah Shelley ist das schon schwieriger zu sortieren: sie haben "am Casting" gemeinsam gegründet, aber wie im Namen der Agentur ist Munro auch sonst der Prominentere. In anderen Fällen wiederum sind vielleicht eher selbständig arbeitende CDs in einer Agentur zusammengeschlossen; da kann es auch sein, dass der Name des bekannten CDs fälschlich eingesetzt ist und eine andere tätig war...


    Interessant fand ich, dass zu einigen nichts zu finden war: bei Anna Sui und Yohji Yamamoto waren noch Namen zu finden, deren Links dann ins Nichts führten. Bei Armani gab es gar nichts. Das muss ja nichts heißen: Anna Sui hat einen All-American-Darling-Cast mit einigen persönlichen Lieblingen; die hat vielleicht nur mit Del Moro telefoniert und gibt nichts davon an. Bei Armani dagegen sieht man dem Cast an, wie dort das ästhetische Gesamtbild auf Eigenständigkeit und die Vermeidung jedes ästhetischen Kontrollverlusts angelegt ist. Und im Unterschied zu Chanel läuft hier alles allein unter dem Namen des Herrn. ;)


    Das Skandal-Duo Maida & Rami ist übrigens immer noch beschäftigt, mit durchaus hochrangigen Shows, aber wie's aussieht stark zurückgefahren. Und Skandalberichter James Scully? Hab ich gar nicht gefunden.


    Wenn's klappt, hänge ich später noch eine Datei an mit den Links zu IG-Accounts und models.com-Profilen der gefundenen Casting Direktoren und Stylisten. Sie posten ja selber viel zu Fashion Week-Zeiten, da wird dann vielleicht manch neugieriger Blick mit zusätzlichen Funden belohnt ...



    Adam Hindle
    - Self-Portrait
    - Christopher Kane
    - Burberry
    - Agnona


    Alexandra Sandberg
    - Aalto
    - Haider Ackermann


    Alexandre Junior Cyprien
    - Victoria Tomas


    Angus Munro (AM Casting)
    - Alexachung
    - Giada
    - Gabriele Colangelo
    - Rick Owens
    Angus Munro, Noah Shelley
    - John Galliano
    Angus Munro, Noah Shelley, Svea Greichgauer
    - Noon By Noor


    Anita Bitton
    - Kate Spade New York
    - Sies Marjan
    - Zimmermann
    - Marc Jacobs
    - Matty Bovan
    - Byblos
    - Emilio Pucci
    - Miu Miu


    Ashley Brokaw
    - Proenza Schouler
    - Coach 1941
    - Calvin Klein
    - JW Anderson
    - Prada
    - Chloé
    - Paco Rabanne
    - Loewe
    - Stella McCartney
    - Louis Vuitton


    Aurelie Duclos
    - Chanel


    Barbara Nicoli, Leila Ananna
    - Adeam
    - Rodarte
    - Peter Pilotto
    - No. 21
    - Blumarine
    - MSGM
    - Fila
    - Rochas
    - Sonia Rykiel
    Leila Ananna
    - Ports 1961
    - Mary Katrantzou
    - Masha Ma


    Barbara Pfister
    - Zero + Maria Cornejo


    Ben Grimes
    - Céline


    Carlo Savoldi
    - Antonio Marras


    Caterina Matteucci
    - Vivetta
    - Ermanno Scervino


    Clare Rhodes
    - Ulla Johnson
    - Sally LaPointe


    cococasting
    - Zadig & Voltaire


    Danilo Di Pasquale
    - Etro


    Dante Frongillo, Onell Ednacot
    - Libertine


    David Milosevich
    - Tadashi Shoji


    David Steven Wilton
    - Johnstons of Elgin


    Décio Santos
    - Dolce & Gabbana


    Drew Dasent & Daniel Peddle
    - 3.1 Phillip Lim


    Edward Kim
    - Jonathan Cohen
    - Matthew Adams Dolan
    - Marina Moscone
    - Claudia Li


    Elliott Foote
    - Pamella Roland
    - Lanyu
    - Christian Cowan


    Emilie Åström
    - Marta Jakubowski
    - House of Holland
    - Roberta Einer
    - Beautiful People


    Esther Garcia Capdevila
    - Delpozo


    Evelien Joos
    - LaQuan Smith
    - GCDS
    Onell Ednacot, Evelien Joos
    - Philipp Plein


    Fabien Joubert
    - Jacquemus


    Federica Mennea, Shaun Beyen
    - Prabal Gurung


    Gilleon Smith
    - Chromat


    Henry Thomas
    - Toga
    - MM6 Maison Margiela
    - Jil Sander
    - Lemaire
    - Christian Wijnants


    Hollie Schliftman
    - Christian Siriano


    Holly Cullen
    - Richard Malone
    - Gareth Pugh


    Jess Hallett
    - Carolina Herrera
    - Gabriela Hearst
    - Maison Margiela
    - Balmain
    - Alexander McQueen


    Jessica Weinstein
    - Milly


    John David Pfeiffer
    - Monse
    - Brandon Maxwell
    - Area
    - Oscar de la Renta
    - Michael Kors
    - Akris


    John Martinez
    - Naeem Khan


    Jonathan Lyons
    - Huishan Zhang


    Julia Lange, Piotr Chamier
    - Courrèges
    - Atlein


    Kannon Rajah
    - Genny


    Leila Azizi
    - Eudon Choi


    Liz Goldson (AM Casting)
    - Margaret Howell
    - Off-White


    Madeleine Østlie
    - Ryan Lo
    - Natasha Zinko
    - Iceberg


    Maida Gregori Boina
    - Elie Saab
    - Roberto Cavalli
    Maida Gregori Boina, Maxime Valentini
    - Hermès


    Marqee Miller
    - Nicopanda


    Maurilio Carnino
    - Custo Barcelona


    Maxime Valentini
    - Fyodor Golan
    - Halpern


    Michelle Lee
    - Dion Lee
    - Longchamp
    - Dior
    - Altuzarra
    - Sacai
    Michelle Lee, Shawn Dezan
    - Boss
    Shawn Dezan
    - Giambattista Valli


    Mischa Notcutt
    - Fashion East
    - Ashish


    Nicola Kast
    - Priscavera


    Nicolas Aksil
    - Junya Watanabe
    - Noir Kei Ninomiya


    Noah Shelley (AM Casting)
    - Cushnie
    - Preen by Thornton Bregazzi
    - Erdem
    - Isabel Marant


    Oliver Ress
    - Y Project


    Patrizia Pilotti
    - Roksanda
    - Marco de Vincenzo
    - Olivier Theyskens
    - Valentino


    Paul Isaac
    - Jasper Conran


    Paul Louisor
    - Cédric Charlier


    Piergiorgio Del Moro
    - Victoria Beckham
    - Alberta Ferretti
    - Max Mara
    - Moschino
    - Tod's
    - Salvatore Ferragamo
    - Philosophy di Lorenzo Serafini
    - Missoni
    - Dries Van Noten
    - Givenchy
    Piergiorgio Del Moro, Giulia Masullo
    - Tory Burch
    - Sportmax
    Piergiorgio Del Moro, Samuel Ellis Scheinman
    - Jeremy Scott
    - Ralph Lauren
    - Escada
    - Fendi
    - Versace
    Piergiorgio Del Moro, Samuel Ellis Scheinman, Arthur Méjean
    - Saint Laurent
    Samuel Ellis Scheinman
    - R13
    - Simone Rocha


    Rachel Chandler,Walter Pearce
    - Marni
    - Telfar
    - Mugler


    Rene de Bathory
    - Arthur Arbesser


    Rosie Vogel
    - Richard Quinn
    Rosie Vogel, Katie Kiwe
    - Molly Goddard


    Shaun Beyen
    - Thom Browne
    - A.P.C.


    Shelley Durkan
    - Nicholas Kirkwood
    - Paul & Joe
    Shelley Durkan, Carolin Mauger
    - Julien Macdonald


    Simone Bart Rocchietti
    - Erika Cavallini
    - Calcaterra


    Stefanie Stein
    - Jonathan Simkhai
    - Brock Collection


    Svea Greichgauer (AM Casting)
    - John Elliott
    - Kith
    - Emilia Wickstead
    - David Koma
    - Ricostru
    - Ann Demeulemeester
    - Poiret
    - Esteban Cortazar


    Sylvie Gueguen
    - ANREALAGE
    - Lutz Huelle
    - Moon Young Hee


    Tomasina Lebus
    - Chalayan



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