Berlin Fashion Week - Diskussion

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    so wird es wahrscheinlich nur noch eine Frage der Zeit sein, bis der
    Hauptsponsor Mercedes Benz sich mit der Fashion Week aus Berlin
    zurückziehen wird.


    Es fehlte was im Vorfeld dieser Fashion Week. Kaum Vorberichte, keiner der vorzählt wieviel Besucher wieder kommen? Und nicht mal einen Abgesang? Keine trotzigen Widerworte, kein Flagge-Zeigen für die Kreativen dieser Stadt? Stattdessen jetzt mitten im laufenden Betrieb ein langer auffälliger Kommentar auf der Meinungsseite der Berliner Zeitung. "Berlin hat keine Mode-DNA " wird der im Netz noch betitelt. In der analogen Ausgabe, sprich: der Zeitung selber heißt der Titel dagegen: "Mode für den Berliner Pragmatismus".


    Dazu muss man wissen, dass die Berliner Zeitung eine Hauptstadt-Jubelzeitung mit kritischer Krawatte ist, hier wird alles "Große" gefeiert bis es nicht mehr zu halten ist. Und dann Plan B gelobt. An den Wechsel-Titel kann man die heiße Diskussion in der Redaktion regelrecht mithören. Die Berliner Zeitung unkt das Ende eines großen Berlin-Events herbei? Da sind dann aber schon einige Kinder im Brunnen ersoffen ...


    Ich halte ja für möglich, dass da Missverständnisse mit im Spiel sind. Dem Zitat oben sind die deutlich zu entnehmen. Mike hat ja hier letztens mal drauf hingewiesen, dass das nur eine Redeweise ist von Mercedes Benz = Fashion Week. Mercedes ist nur der Hauptsponsor eines Teil-Events, das dann eben Mercedes Benz Fashion Week genannt wurde; Veranstalter ist dabei IMG (den Modelfans durch die Modelagenturen bekannt, Tochtergesellschaften des Konzerns, der sich auf Eventmanagement spezialisiert hat und zuerst im Sportbereich, z.B. als Manager von Wimbledon bekannt geworden ist). Daneben aber finden mehrere andere Modeevents statt: Panorama, Premium, Seek und Bright, Greenshowroom & Ethical Fashion Week und einige mehr. Dabei sind es die Messemn, allen voran die Bread & Butter, die die großen Besucherzahlen generiert haben, mit denen dann immer geprotzt wird um die Zelte am Brandenburger Tor zu verteidigen.


    Die "Dachmarke", wie sie es nennen, also Berlin Fashion Week gehört dem Berliner Senat mit der beim Wirtschaftssenator angesiedelten "Berlin Partner GmbH". Die ist für Wirtschaftsförderung zuständig und hat durchaus wichtigere Schwerpunkte: die Modeindustrie hat für Berlin nicht ansatzweise die Bedeutung wie etwa der Gesundheitsbereich. Was man natürlich als Berlinerin nur begrüßen kann, wenn Wissenschaft und Industrie höher angesiedelt werden als Touristen "anzuziehen" ... Wenn dann andere Touristen-Attraktionen wichtiger sind, wie letztes Jahr die Fanmeile zur Fußball WM, dann haben die Zelte des Mercedes Benz-Events keine Chance - und das Event zieht in den immer noch ziemlich grauen Wedding (nix gegen den Bezirk selber, viele Designer wie Perret Schaad, Bobby Kolade oder Barre Noire sind schon dahin umgezogen.)


    Wenn Mercedes Benz sich also zurückziehen würde, dann ist das noch lange nicht das Ende Berliner Fashion Week. Dass Mercedes aufgibt, das könnte ich mir schon vorstellen. In New York, ihrem bedeutendsten Sponsoren-Event, sind sie schon raus. Die kommende New York Fashion Week wird nach wie vor auch von IMG veranstaltet, aber ohne Mercedes Benz. Man zieht dort übrigens auch in andre Locations. Inwieweit da ein Zusammenhang besteht, weiß ich nicht, aber es gibt interessante Parallelen zu Berlin. Was ich vor dem jetzigen Ende gar nicht wusste ist, dass es auch dort öffentliche Proteste gegen den Veranstaltungsort gab.


    Mal Klammer aufmachen: als die US-Designer-Vereinigung die New York Fashion Week Anfang der 1990er Jahre ins Leben rief - anstelle von vorher stattfindenden Modewochen, wo die Labels quer über die Stadt verstreut ihre eigenen Shows veranstalteten und die armen Presseleute wie die Irren herum hetzen mussten - da hatte man dann Zelte am Bryant Park aufgestellt: öffentliche Location, für die Fashion Szene auch wunderbar gelegen. Aber eben: öffentlicher Raum, genutzt für Veranstaltungen, die NICHT öffentlich sind, sondern einer kleinen Szene vorbehalten. Als es dort zu eng wurde und sich auch die Proteste mehrten, zog man angeführt vom inzwischen mitwirkenden Sponsor MB hinaus uptown zum Lincol Center und einem dort angrenzenden Park. Die Location hat kaum jemand geliebt, in den letzten Jahren zogen die Großen schon wieder vermehrt in ihre eignen Spielstätten zurück - selbst Diane von Furstenberg, Präsidentin der Designer-Vereinigung. Und Ende letzten Jahres gab es nun einen Gerichtsentscheid, der MB die exklusive Nutzung des Lincoln Centers und des Parks untersagte. Die Commons gehören allen und sind kein Claim, den die Reichen sich abstecken dürfen sozusagen.


    Und DEN Streit gibt es um die Zelte in Berlin schon auch. Wobei es hier eben noch absurder ist wenn man daran denkt, dass die "Großen" deutschen Modefirmen, die ja eh schon keine Berliner waren, wie Boss und Escada, längst nicht mehr teilnehmen und viele die MBFW als Raum für jene Kreative auch aus Berlin gedacht haben - die aber in Berlin eben andre Räume bewohnen als die Touristenmeile ums Brandenburger Tor.


    Dass Mercedes sich als Sponsor zurückziehen will: das könnte ich mir allerdings vorstellen. Wieviel Interesse wird IMG dann an Berlin noch haben, wo die großspurigen Hoffnungen auf "Nummer 5 in der Welt" schon länger nach Seifenblasen aussahen? Außerdem gibt s ja noch eine große Veränderung für die Berliner Fashion Week - und die steht schon fest: Zalando hat die Bread & Butter übernommen und will die ab nächsten Januar in eine Messe fürs Publikum umwandeln. Verkündet wurde das anlässlich eines Besuchs des immer noch neuen Regierenden Bürgermeisters bei Zalando - und es sollte ein Hoffnungszeichen sein, nachdem der alte Betreiber der Bread & Butter Konkurs anmelden musste. Man kann da eine typische Berlinisierung der Messe erwarten: aber wird das Fachpublikum weiter kommen? Werden sich die Besucherzahlen auf dem alten Niveau halten, womit die Fashion Week immer ihre wirschaftliche Bedeutung behauptet hat?


    Im Bereich der bisherigen Mercedes Benz Fashion Week, also der Modewochen der Berliner und deutschen Designerlabels haben sich Vogue und ZEIT mit dem Vogue-Salon und Berliner Salon inzwischen stark engagiert. Das war auch schon ein Signal, dass die Berliner Modewochen nach einer neuen, besseren Regie suchen. (Man erinnere ich an die Fashion Week vom Januar, wo die Herbst-Winter-Schauen mit einer ... Wiederholungsschau mit Sommerkleidchen der New Yorker Designerin Charlotte Ronson eröffnet wurden! Ein derart grotesk alberner Missgriff des zentralen Mangements sorgt gerade unter Profis im Präsentationsgewerbe für Ärger, der lange in den Kleider bleibt.)


    Auf jeden Fall: da ist einiges an Bewegung. Die Berliner Zeitung ist nicht immer verlässlich, der kann man peinlich verfrühte Unkenrufe ebenso zutrauen wie wochenlange Jubelberichte zur Eröffnung des BER, die quasi tags darauf um wenigsten 5 Jahre verschoben werden müssen. Aber wenn die einen so promimenten Kommentarplatz dafür wagen: dann haben die sicher schon was läuten hören.

  • Ich habe hierzu passend noch einen Artikel gefunden:
    http://www.journelles.de/kein-…erliner-modewoche-ss2016/
    Hier geht es darum, dass nicht nur das Management schuld ist, sondern dass sich prinzipiell der Blickwinkel ändern muss (Fashion Blogger und Journalisten sollten sich um die Mode auf dem Laufsteg kümmern und nicht das Maul zerreissen, ob es Champagner gibt oder nicht) und lobt, dass es nun, wie du schon geschrieben hast, den Fashion Council gibt, der Designtalente fördern soll, damit sie nicht abwandern müssen. Hier gibt es auch Kritiken zu den Shows, wie ja von Journelles selbst bei anderen bemängelt wurde.
    Nenn mich hoffnungslos optimistisch, aber es scheinen ja endlich ein paar Schritte in die richtige Richtung gegangen zu werden. Es kommt natürlich auf das neue Management an und wie einzelnen Messen miteinander arbeiten, aber vielleicht gehts auch wieder bergauf mit der BFW.

  • Ja, der Berliner Salon im KaDeWe ist ne schicke Sache. Allerdings nicht gerade ein Beleg für die Lebendigkeit der Berliner Fashion Week. Modewochen werden gemacht, um mit Show-Bündelungen das Interesse der (Fach-) Presse und der Einkäufer zu wecken. Hier haben jetzt ein Teil der Presse (Vogue und Zeitmagazin) einigen Designern zu einem Direktstand bei EINEM großen Einkäufer verholfen. Der Start war bewusst ans Ende der Fashion Week gelegt - aber im Prinzip ist das ja ne Aushebelung der Fashion Week und könnte auch ohne die zustande kommen.


    Einige der Designer zeigen auf der Fashion Week schon nur in ner Gruppen-Präsentation. Darunter der in allen früheren Jubelgesängen stets vornean erwähnte Michael Sontag. Oder Tim Labenda (vielen vielleicht noch aus "Fashion Hero" bekannt), der Fashion Shows von vorneherein für verlorene Liebesmüh erklärt und lieber andre Wege der Vermarktung sucht. Kurz vor Start der shows jetzt wurde auf der Webseite der BFW ein Bericht über Mongrel in Common veröffentlicht . Das war wie verdeckte Selbstkritik: eines der vielbejubelten Vorzeigelabels verzichtet seit Jahren bewusst auf die Fashion Week - weil es sich nicht rechnet.


    Und wer weiß, warum Laurèl diesmal nicht dabei war. Es ist schon ein weiteres kleines Stück Prominenz-Verlust. Es hat kaum jemand darüber geklagt, ebensowenig wie dass Kaviar gauche wieder nach Paris geht und Lala Berlin das zweite Mal außerhalb des BFW-Programms blieb. Im Gegenteil: dass sie überhaupt noch da sind wird zur Feier des Events noch hervorgehoben. Lala Berlin wurden von einigen ein Highlight genannt; mit kaviar gauche konnte man das schlecht machen - dafür ging deren Einkleidung von Snoopy groß durch die Presse. Nach der Absage im Januar war Michalsky wieder da - aber deutlich kleiner als früher. Und dass seine Stylenite bei BILD zu sehen ist, aber nicht auf seiner eignen Website - na, da würde mich wundern, wenn das nicht auch finanzielle Gründe hätte.


    Also ich sehe schon sehr viel Krisenzeichen. Aber natürlich haste Techt: was ist das Leben schon ohne Optimismus? :)

  • So, mal den alten thread genutzt, um die Themen aus dem Luisa-Thread zu befreien, wo sie dann im Ganzen doch nicht hingehören.


    Darksoul hat auf einen Beitrag von mir da geantwortet und ich nehme mal einen Teil heraus:








    Zuerst mal zu Lagerfeld, um es (hoffentlich) schnell abhaken zu können: der berühmte Satz sollte sich doch auf Menschen beziehen, die in Jogginghosen ihren Alltag in der Öffentlichkeit bestreiten und keinen Sinn mehr dafür haben, sich situationsangemessen zu kleiden. Es ist ein Bild für die Verwahrlosung der Kultur, sich zu kleiden und meint ganz sicher nicht, dass es für Jogginghosen KEINERLEI angemessene Verwendung gäbe ...


    Und dazu bitte noch: das "du" in meinem Satz war nicht persönlich gemeint, sondern bezog sich auf dein "so wie ich bin" als allgemeines Motto.


    Aber trotzdem sind wir an dem Punkt glaub ich nicht bei bloßen Missverständnissen, sondern bei wirklich verschiedenem Verstehen.


    Natürlich hast du das "so wie ich bin" im Sinne von "meinen Körpermaßen" verwendet. Und ich hab es ernsthaft neu zu wenden versucht: im Sinne von "ich will mich nicht ändern". Weil ich glaube, dass Riani gern mit dem ersten Sinn hausieren geht und letzteren bewirkt. Sie greifen populäre Trends auf, um damit besser anzukommen. Und sie bewirken eine Verflachung der Fashionkultur ins Trashige und Kaufhauslastige; sie öffnen den Showraum von Fashionweeks für Endkunden, die via Boulevard-Medien angesprochen werden - und sie drängen ihnen Dinge auf, statt sie kulturell und geistig zu fordern. Das ist nahe an einer direkten Verkaufsveranstaltung und du reagierst darauf auch mit Endverbraucher-Ansprüchen.


    Ich denke abe, sie betrügen "dich" und die Kunden damit. Interesse an Kleidung gehört zu den ersten Formen der Selbstbestimmung. Die Lust an der Veränderung ist die große Antriebskraft der "Moden". Nicht das Bedürfnis zu "Bleiben wie man ist", sondern das Neue und Andre treiben dich dazu, Fashionshows anzusehen. Und diese Lust wird ausgehebelt von solchen Anbiedereien an populäre Tends. Was mit diesem Mix aus Style-Präsentation und konkretistischen Käuferansprachen passiert ist, dass sich biederer Mainstream breit macht.


    Ok: du bist davon überzeugt, dass die Bodymaße ein wichtiges Thema sind. Andre fanden es toll, dass Transgender und angrenzende Themen im Spektrum waren. Wenn es nicht einen so offensichtlichen Vorführeffekt hätte, würde ich nie was dagegen sagen. Ich find's z.B. immer wieder klasse, mit welcher Intensität alte Models Style präsentieren können, und dabei wirklich was hinzufügen, was ohne sie nicht da wäre. Aber aus sowas ein Prinzip zu machen und zu sagen "ältere und breitere Frauen werden ausgegrenzt", das halte ich für ein Problem.


    Da ist ein Ton von Bedeutsamen, wenn jetzt die "Normalmaße" der Frauen zum Thema für Fashionshows gemcht werden, der aber m.E. keine Distanz zu sich selber hat und nicht mehr ahnt, wie arm und eindimensional er sich aus andern Blickwinkel ausmachen kann. Ja klar, die meisten von uns haben andre Kleidergrößen. Aber was bedeutet denn das? Die meisten von uns sind auch kleiner als die Laufstegmodels. Sollen die jetzt auch im Schnitt 1.69 und wenn's geht gern auch noch kleiner sein? Die meisten von uns sind älter. Wesentlich älter sogar. Soll das auf dem Laufsteg gerecht repräsentiert werden? Na danke. Die meisten von uns nutzen Kleider auch vorwiegend im Sitzen. Warum also laufen die Models noch? Und dann noch so schnell?


    Jedes der Themen kann prima in Kollektionen und Shows präsentiert werden. Aber die Behauptung, dass in Fashionshows die "normalen Frauen" ausgegrenzt würden, ist eher nur ein Medienhype, mit dem sich der Boulevard in die Fashionwelt eindrängt. Ein wirklich ernst zu nehmendes Thema sind rassitische Ausgrenzungen in der Geselschaft. Das thematisierst du nicht gerade mit einer Betonung der Ansprüche der "normalen Frau". Ein ernstzunehmendes Thema wäre auch, dass TV-Shows mit Millionenpublikum plötzlich Model zum Traumberuf machen und ganz erheblich zur Problematik von Essstörungen bei jungen Mädchen beitragen können. Dann ist aber erstmal das TV und eine solche Show gefordert. Und innerhalb der Fashionwelt wird die Förderung von Magermodels auch nicht durch Einstellung von (Alibi-) Plussize-Models, sondern mit gesetzlichen Regelungen zu Mindestalter und Mindestmaßen bekämpft werden müssen. Das oszt dann auch eher ein Jugendschutzthema als eine Forderung für "normale Frauen".


    Imgrunde ist es sogar VÖLLIG daneben, die "normalen Frauen" zum Maßstab für Fashionweeks zu machen. Im Prinzip sollen die "normalen Frauen" gar nicht vorkommen. Sondern andere. Das Kernthema von Styles ist nicht normal zu sein, sondern anders. Besonders eben. Abweichend. Grenz- und Kulturüberschreitend. Schräg und crazy. Schrill, cool oder vollkommen reduziert. Aber die Parade der normalen Frauen will keiner sehen. Es sei denn, es kommt irgendwann ein Gag.


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    Mr and Mrs Dursley, of number four, Privet Drive, were proud to say that they were perfectly normal, thank you very much.


    Was ein klasse Buchanfang. Thank you very much.


    Lass es dich doch bitte eine Mahnung sein. Plädoyers fürs "Normale" haben die Gefahr, einen mit Tonnengewichten nach unten zu ziehen.


    Und das muss hier gar nicht sein. Es gibt im bisherigen Bekleidungshandel ein System von Vermittlungen, wo die Bedürfnisse der Endkunden eher zuviel als zuwenig eingebracht werden. Die Kaufhäuser und die großen Online-Händler sind immer noch sehr zurückhaltend, was die Aufnahme "kreativer" Designer angeht. Der neue German Fashion Council hat wirklich viel zu tun, einer großen Zahl von Talenten die Türen zur Öffentlichkeit aufzustoßen.


    Überspitzt gesagt: Riani ist Bild-Zeitung im Fashion-Zelt. Sie sind alle drei ein Problem für Fashionweeks als Orte der Style-Präsentation. Als Berlinerin habe ich nicht das geringste Verständnis dafür, warum die Stadt zentrale öffentliche Orte für die Öffentlichkeit absperrt, um dort Verkaufsveranstaltungen für Unternehmen stattfinden zu lassen. Wenn solche mittelständsichen und Groß-Unternehmen ihren Verkauf fördern wollen, dann sollen sie für exklusive Werbeveranstaltungen gefälligst Privaträumlichkeiten anmieten. Wenn der Abspruch einer Kulturveranstaltung aufgegeben wird und Käufer- und Verkäufer-Gesichtspunkte die Shows beherrschen, dann ist das Kommerz und soll auch öffentlich als kommerzielle Veranstaltung behandelt werden. Und dann ist das Zelt am Brandenburger Tor mit all den Verkehrsumleitungen als Folge NICHT genehmigungsfähig!


    Riani war ein Mix aus Fashionshow und Ballermann. Da ist die Kommerzialisierung der Fashionweek im vollen Gang. Stylemäßig und künstlerisch gesehen ist das mainstream und verstärkt eine Entwicklung, in der kreatives und mutiges Design zunehmend an den Rand gedrängt wird. Nötig ist aber genau das Gegenteil.


    Du hattest ja auch Unbehagen. Im Applaus für das Oversize-Model hast du auch gespürt, dass da wichtige Themen nicht künstlerisch aufgegriffen, sondern eher aus kommerziellem Interesse ausgenutzt werden. Aber du hast die Punkte schwächer bewertet, weil dir anderes wichtig ist. Ok. Ich hab umgekehrt bei Riani auch schöne Outfits gesehen - und bewerte die Show im Ganzen aber negativ, weil ich in dem Anbiedern ans Populäre einen Trend in Richtung Kulturverfall der Fashionweek sehe.


    Überspitzt gesagt: Wir warten darauf, dass GNTM endlich wird wie die echte Modewelt. Derweil fängt die echte Modewelt an, wie GNTM zu werden.

  • So, mal den alten thread genutzt, um die Themen aus dem Luisa-Thread zu befreien, wo sie dann im Ganzen doch nicht hingehören.

    Super, danke! Und sorry, dass es einen Moment gedauert hat mit Antworten.


    Auch von mir hierzu nur das Allernötigste - aber das muss sein: Dieser Satz ist für mich einfach ein prima Beispiel, wie Jemand uns mal wieder subtil verkaufen will, was "man" tun oder gefälligst lassen sollte. In Jogginghosen an die frische Luft darf man nicht, sooooonst....! Und wenn man das nicht durchschaut, oder resp. vielleicht gar glauben *will*, weil die betreffende Person eine Art "Respektsperson" ist, schränkt mich das in meiner Freiheit ein. Sowas nervt mich. In meine Augen fällt der Satz zudem ein Urteil über einen anderen Menschen, den man überhaupt nicht kennt: "die trägt eine Jogginghose, die lässt sich also gehen" (und hilft mit diesem berühmten (haha) Zitat dabei mit, dass das unterdessen auch viele andere Menschen so sehen, weil siehe eins oben, "Respektsperson, die muss es ja wissen"). Das hingegen - selbstverständlich weiterhin nur meine persönliche bescheidene Meinung - finde ich nichts weniger als menschlich armselig, und im Endeffekt dumm noch dazu. Fazit: Karl Lagerfeld und ich werden in diesem Leben vermutlich keine Freunde :rofl2: Kein Urteil natürlich, ich kenne ihn ja nicht, aber eine Vermutung mit grösster Wahrscheinlichkeit... :rofl2: Und ich bin mir sicher, ihm ist das genauso wurscht wie mir... :aetsch


    Übrigens heisst das nicht, dass ich nicht sehr grossen Respekt vor seiner Arbeit habe!

    Und dazu bitte noch: das "du" in meinem Satz war nicht persönlich gemeint, sondern bezog sich auf dein "so wie ich bin" als allgemeines Motto.

    Schon klar, aber es ist ein allgemeiner Grundsatz, der sich da etabliert gegen die pöööööse Jogginghose, die so viel über mich verrät :D

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    Aber trotzdem sind wir an dem Punkt glaub ich nicht bei bloßen Missverständnissen, sondern bei wirklich verschiedenem Verstehen.

    Jo :)


    Und ich bin zuversichtlich, dass Du mir nicht böse bist, wenn ich mich hiermit aus der Diskussion über die BFW wieder ausklinke. Zum einen liegt mir die BFW nicht gross am Herzen, aus verschiedenen Gründen. Das unterscheidet uns natürlich sehr. Und zweitens möchte ich auch ehrlich sein: Solche Sätze wie...


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    Sie greifen populäre Trends auf, um damit besser anzukommen. Und sie
    bewirken eine Verflachung der Fashionkultur ins Trashige und
    Kaufhauslastige; sie öffnen den Showraum von Fashionweeks für Endkunden,
    die via Boulevard-Medien angesprochen werden - und sie drängen ihnen
    Dinge auf,

    Sie greifen auf, sie bewirken, sie öffen, sie drängen auf.


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    Imgrunde ist es sogar VÖLLIG daneben, die "normalen Frauen" zum Maßstab für Fashionweeks zu machen.

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    Riani war ein Mix aus Fashionshow und Ballermann.




    machen mir ehrlich gesagt keine grosse Lust, da weiter drüber zu reden. Was gäbe es auch darauf noch zu antworten - dass es für *mich* eben nicht so ist? Zu behaupten, dass etwas so ist ("das ist Ballermann") kann man machen, aber das lasse ich durch... Mir geht's nicht darum, recht zu haben. Ich freue mich, dass ich an diesem Ort hin und wieder meine Meinung und mein Empfinden mit andern Gleichgesinnten teilen kann. Das ist alles. Von daher, nix für ungut, liebe Hexe, kein Kommentar mehr von mir :)


    Nur der Dursley


    Der ist schon fast ein bisschen beleidigend - also hiermit auch als Mahnung an Dich, ok? :)


    So weit auseinander sind wir eh mal wieder nicht. Um nochmals diesen Satz aufzugreifen:

    Wir finden es also Beide doof, dass die Zuschauer geklatscht haben. Du hättest gerne eine andere Show gehabt, ich hingegen ein anderes Publikum. Natürlich dürfte die Riani-Mode an sich auch für mich ruhig noch etwas kreativer sein, auch hier stimmen wir überein - *nur* Riani-Sachen auf einer FW fände ich auch langweilig. Aber die *Models* dürfen für mich gerne so vielfältig bleiben, inkl. Plussize. Nur ohne klatschen bitte - weder vor nach nach dem Sektglasnippen.


    Vielleicht ist das aber auch einfach nur der natürliche Lauf der Dinge, dass alles irgendwann mal wieder kaputt gehen muss. Wahre Kreativität und wahre Begeisterung für etwas, wird sich aber hoffentlich auch weiterhin immer wieder durchsetzen. Und neue Wege finden. Bis jetzt war das immer so, und nun liegt's halt an den nächsten Generationen - warten wir's ab :)

  • Es geht wieder los! Fashion Week in Berlin. Aber wann ab ich mich zu letzt darauf gefreut?


    Ab jetzt im Kaufhaus Jandorf am Weinbergpark! IMG hat endlich auf die Kritik an den Zelten reagiert, verlässt das Postkarten- und Tourismus-Ambiente und zieht um zur Berliner Fashion Szene. Mal abwarten, wie der Ort sich für die technischen Abläufe eignet. Aber viel besser konnte eine Ortsverlagerung nicht sein. Und dann wird mit Dorothee Schumacher noch ein Edelstein der deutschen Modeszene den neuen Spielort eröffnen. Hach, ik freu mir!


    Verkehrstechnisch sind auch noch einige Widrigkeiten zu erwarten. Mit Parkplatz ist hier nüscht, Taxi oder Tram sind angesagt. Wer mit der U-Bahn kommt, nutzt einen Ein- und Ausgang der - sagen wir mal freundlich - bescheideneren Sorte. Und um diese wunderbare Jahreszeit empfängt die Brunnenstraße dort mit Schneematsch und Lärm der ungebändigten Großstadtsorte. Schmuddel pur. Im Sommer wird der angrenzende Weinbergpark die jungen Models vielleicht noch auf Abwege bringen: der Park auf dem Anstieg zur Barnimer Höhe lädt ein zum Abhängen auf einer Wiese, die als Drogenumschlagplatz Berühmtheit hat. Hihi, aber ich seh all die coolen Bilder schon.


    Am Brandenburger Tor kannste bloß Touri spielen. Touris haben keinen Zugang: obwohl sie öffentliche Plätze besetzt, ist die Fashion Week natürlich eine Werbeplattform für Privatunternehmen. Und reserviert fürs Fachpublikum. Mitten in der Stadt aber kannste jederzeit mal zum Glotzen vorbei. Es gibt tolle Cafés in der Nähe. Das hier ist Berlin Mitte an der Grenze zum rührigen Prenzelberg. Und das hier ist das Gebiet der Berliner Fashion Szene; nicht unbedingt der kleinen Ateliers, aber z.B. solcher jungen Prestigemarken wie Kaviar Gauche, Lala Berlin, malaikaraiss etc. Ein Stück weiter führt die Brunnennstraße durchs Scheunenviertel zum Hackeschen Markt, und dort bündeln sich die Galerien und Fashion Shops. Uber die Museumsinsel gelangt man dann weiter zum Kronprinzenpalais Unter den Linden, wo die Verstanstaltungen des German Fashion Council stattfinden.


    Genau eine solche location hat sich die Fashion Szene immer gewünscht. Und das Haus selber ist zumindest von außen ein kleines Schmuckstück der Kaufhausarchitektur aus dem frühen 20. Jahrhundert. Es stand jetzt lange leer und wird erst neuerdings für Events genutzt. Es wurde darin auch nciht nur Mode gekauft, sondern später auch Mode gemacht: seit den 1950er Jahren residierte dort das DDR-Modeinstitut. Korrekt gesagt: das "Institut für Bekleidungskultur" und spätere "Haus der Mode" der DDR. Wenn die Westmanager nicht solche Berührungsängste hätten, wäre hier schon viel früher was möglich gewesen.


    Aber was soll's: jetzt geht's los! Und ik freu mir.

  • Ich habe die Berlin Fashion Week dieses Mal so gut wie gar nicht verfolgt. Scheint aber so zu sein, dass diesmal ziemlich wenig GNTMs auf dem Laufsteg zu sehen waren?

    "You can do whatever you dream of. You just need to be determined and not be scared to go all the way. Get up, get out, motivate yourself and be inspired. What are you waiting for?" (Rianne van Rompaey)

  • Im Stern hat Marie von den Benken schon mal angefangen zu träumen.


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    Der letzte Tag der Berlin Fashion Week im Januar war gleichzeitig der erste Tag Donald Trumps als Präsident. Nun steht wieder eine Fashion Week ins Haus und nicht wenige wünschten sich, der politische Kreis würde sich schließen ...


    Aber das Weitere überlässt sie dann der Washington Post und kümmert sich um die näherliegenden Fragen, wer die kommende Top-Influencerin auf den Frontrows sein wird und welche Bars (sorry, gemeint natürlich: locations) du täglich abklappern solltest, um Toni Garrn und andere Wichtigkeiten treffen zu können.


    Verantwortliche von Mercedes Benz könnte man vielleicht auf den Veranstaltungen des Fashion Council Germany treffen. Die Vogue hat schon im Mai stolz von einer neuen Vereinbarung mit verstärkter Förderung von Talenten berichtet:


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    Mercedes-Benz bekennt sich weiterhin zum Modestandort Berlin und ist seit Mai 2017 Mitglied und offizieller Partner des Fashion Council Germany. Damit rückt die aktive Förderung von Nachwuchsdesignern für den Stuttgarter Automobilhersteller noch mehr in den Fokus.


    Allerdings ist dieses Bekenntnis seit einer Woche von der nüchternen Er-kenntnis begleitet, dass Mercedes nun definitiv Schluss macht. Diesmal ist das letzte Mal. Der Vertrag mit IMG wurde nicht verlängert. Es gibt neben der Nachwuchs-Förderung auch weitere vage Statements, dass man sich aus der Hauptstadt und der Modefördferung nicht wegstehlen wolle, aber es war ja schon seit dem Rückzug der Daimlers von der New York Fashion Week vor 2 Jahren kein Geheimnis, dass sie auch aus der BFW rauswollten.


    Die Nachricht kam letzte Woche schon von Mercedes. IMG hat noch keine Stellung bezogen. Berlin Partner, der Träger der gesamten BFW auch nicht. Man sortiert sich wohl noch. Und vielleicht gibt es auch deswegen so wenig konkrete Nachrichten zur kommenden Fashion Week, die ja zum Independence Day am 4.Juli beginnen soll ;)




    ***


    Edit zu Vanessa:
    Etwas spät, grins, aber für alle Fälle: Deine Frage war im BFW-Thread im Bereich Models beantwortet ...

  • Ein Jahr danach gehen das Leben und die BFW weiter. Aber wie?


    Spiegel Online berichtet, als wär's wie immer:


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    Die erste Juliwoche ist Fashion Week in der Hauptstadt. Bei rund
    200 Modenschauen zeigten Designer und Labels ihre Ideen für 2019.


    Hammer immer so gehabt und wird auch weiter so sein. Einschließlich der Presse-Schönjubeleien. Warum auch nicht? Man tut keinem Weh mit einem nett geschriebnen Artikel, der die Schauen von Marc Cain, Marina Hoermanseder, Ivanman, Hugo und Lutz Huelle jeweils mit ein paar Showbilder besichtigt. Dazu noch ein Blick auf die Vorstellungen des Berliner Salons, mit Outfits von William Fan und Odeeh. Und : "Mit dabei waren (...) bekannte Namen wie Guido Maria Kretschmer ("Shopping Queen"), Lena Hoschek oder Irene Luft und Marken wie Riani, Sportalm Kitzbühel (standesgemäß vorgeführt mit Schuhplattler-Einlage auf dem Laufsteg) und Maison Common." Das kann sich so schon hören und sehen lassen. Und Michael Michalsky ist sogar noch außen vor.


    Wenn das mit den Schuhplattlern nicht wäre. Und muss man Namen, die bekannt sind, "bekannte Namen" nennen? Dann die rasante Verkürzung von "rund 200 Modenschauen" auf "16 Labels": "Nach einem abgespeckten Programm im Januar nutzten diesmal 16 Labels den kostenpflichtigen Auftritt im E-Werk, dem neuen Veranstaltungsort." Da haben wohl mehrere Autoren geschrieben? "Abgespeckt" klingt ja für Fashion Weeks auch immer durchaus angemessen, aber ähem, ist da nicht vielleicht doch eine klitzekleine Andeutung von Armut im Programm?


    Das ewerk war schon im Januar der Veranstaltungsort, und die Schauen-Kalender zur Fashion Week waren mit Konferenzen, Diskussionen, Empfängen und andren Sonderevents so aufgepäppelt, dass es schon Arbeit kostet, zu einer nachvollziehbaren Zahl von Modenschauen zu kommen. Der Kalender des FCG (Fashion Council Germany) listet 15 "MBFW Shows" auf, die alle im ewerk stattfanden. Dazu kommen mit Anja Gockel, dem Greenshowroom, Marcel Ostertag, Dawid Tomaszewski, Hugo, William Fan, Lutz Huelle und Michalsky acht weitere Runway-Shows, eine Handvoll Präsentationen (zu denen Laurèl als bekannsteste Marke gehört) und einiges anderes (wie eine "Installation" von Wunderkind und etwas von Malaikaraiss, das mit "online only" bezeichnet wird). Die Gemeinschaftsschau des Greenshowroom fand auch im ewerk statt: so kommt Spiegel Online wohl auf 16.


    Nur zwei davon gehören zu den sechs, die sie im Artikel näher besichtigt haben. Und alle 16 sind am Donnerstag abend mit der Schau von Isabel Vollrath gelaufen. Danach gibt es noch Hugo draußen in Weißensee und den Freitag mit den Veranstaltungen des Berliner Salons, mit Lutz Huelle im Berghain und Michalsky im Tempodrom. Da die Pariser Couture-Schauen Mittwoch abend beendet waren, konnte Hugo mit größerer internationaler Model-Prominenz aufwarten. Und der Fashion Council hat noch einen besondren Coup gelandet: während die alte BFW noch die Berliner Bürgermeister umwarb (was mit Partykönig Wowereit allerdings fiel besser gefiel als mit dem medial drögen Müller), pflegt man jetzt Kontakte zur Berlin-Mitte-Regierung und präsentiert im Schauenkalender für den Schlusstag auch einen "Empfang im Bundeskanzleramt" (für den Fall, dass das jemand nicht finden kann, ist als Adresse noch Willy-Brandt-Straße 1 zugefügt). Die Kanzlerin hat sich Zeit genommen. Es gibt Gruppenfotos mit Merkel im Kreis von Modeschöpfern und Modeförderern; und als spezielle Messaage noch Bilder mit Merkel neben Lutz Huelle.


    Das, was man im letzten Sommer ahnen konnte und mehrheitlich erhofft hat, ist da sichtbar eingetreten: der Fashion Council hat die Regie fürs Schau-Fenster der Berliner Fashion Week übernommen. Die Mode-Messen laufen weiter. (Zur Übersicht den FCG-Kalender nach unten scrollen; mehr an Infos gibt die Senats-Website fashion-week-berlin.com auf der Unterseite zu den Messen - nebenbei mal: Carolin Sünderhauf ist wieder das Werbegesicht der Fashion Week, das Bild, das dort auf der Startseite eingeblendet wird, war auch zur Werbung in Tageszeitungen genutzt.) Sie bringen die Masse der zusätzlichen Besucher nach Berlin und bilden nach wie vor das eigentliche Rückgrat der BFW. Aber das Schaufenster muss jemand anders gestalten. Die internationale Eventmanagement-Agentur IMG hatte das bisher sehr Berlin-fern und oft recht unglücklich betrieben. Nach dem im letzten Sommer vollzogenen Rückzug von Mercedes Benz als Geldgeber hat IMG seine Rechte am Event wohl still abgegeben. Verlauten hören hab ich darüber jedensfalls nichts, aber aus dem Auftreten des FCG ist ablesbar, wem der Berliner Senat die Regie hier übertragen hat.


    Das Programm selber zeigt die Handschrift des Council: nicht nur mit der Präsentation des "offiziellen Kalenders" und dem überdeutlichen Council-Day als Schlusstag, sondern auch im Profil der Schauen selbst: die Berliner Fashion Week ist mehr als je zuvor ein Ort für deutsche Designer und Labels. Wie in anderen großen Modemetropolen zählen auch ansässige Designer zum Modestandort, die aus anderen Ländern, Polen, Bulgarien oder Asien stammen; und Österreich ist besonders prominent vertreten. Aber der Anspruch ist aufgegeben, dass Berlin als Schaufenster etwa für osteuropäische Modemärkte fungieren könnte, und es gibt ein sichtbares Bemühen um die deutsche Mode-Prominenz. Vogue-Chefin Christiane Arp war schon im letzten Jahr gelungen, Jason Wu zu einer Boss-Präsentation in Kreuzberg zu bewegen. Und dieses Mal ist Boss mit seiner Hugo-Linie wieder ein Teil der Fashion Week. Das ist dann etwas, was auch im Ausland verstärkt wahrgenommen wird und schafft damit neues Renomée.


    Dazu hat man Kretschmer gewonnen, die Fashion Week zu eröffnen, und sie mit dem in Paris lebenden und dort regelmäßig Schauen zeigenden Lutz Huelle geschlossen. Keine neue Kollektion in diesem Fall, sondern ein Potpourri aus früheren - aber für die Fashion-Szene selbst ein wichtiges Signal: einer aus Deutschland, der sich in der Welt-Modemetropole Paris behauptet hat. (Darum darf er auch ins Bild neben die Kanzlerin; und die Remscheid-Spötterin Sally darf sich vielleicht wundern zu hören, wo der kleine Lutz aufgewachsen ist.)


    Der andere, noch spätere Fashion-Week-Schließer Michalsky wird jetzt auch wieder Im Schauen-Kalender genannt. Das war bisher meistens nicht der Fall, weil Michalsky sich selber außen vor hält. Diese Schau gehört eher zum alten Zirkus und dürfte auch mit seiner starken GNTM-Finanzierung und ästhetischen Disko-Neigung nicht der größte Stolz des FCG sein. Der Fashion Council liebt den "Salon". Als Regisseure für die MBFW-Schauen als Ganzes aber bauen sie ein, was das Ganze wahrnehmbarer macht.


    Nur die breite Öffentlichkeit nicht. Zum Angebot der meisten Fashion Week-Organisatoren gehört schon auch, die Schauen mit Fotogalerien und Videos zu dokumentieren und öffentlich zu zeigen, was gezeigt wurde. Wie zum Beispiel Mercedes Benz Fashion Week Australia mit den Resort-19-Kollektionen jetzt im Mai. Das Geheimnis dieses Service wird ganz unten klein gedruckt gelüftet: das ist ein Service von IGM Worldwide. Die sind eben in Berlin raus und der neue Regisseur reagiert auf die modernen Kommunikationsmedien eher ängstlich und abwehrend. Der Fashion Council ist auf Seiten der kreativen Designer - und die stehen alle unter dem Druck der Konkurrenz, die das Online-Geschäft mit der Mode beherrscht. Und man reagiert irgendwie als wäre das, was den "Gegner" stark macht, an sich schon mode-feindlich.


    Andrerseits findet gezielte (und scheinbar gute) Förderung auf den traditionellem Ebenen des Fashion-Business statt. Das zeigen sie auch gerne vor, und so steht für den Samstag im "offiziellen Kalender" der Fashion Week sogar noch ein Event, das eine Kooperation von KaDeWe und der deutschen Vogue darstellt: bei "Vote for Fashion" können die Kaufhaus-Besucher 3 Wochen darüber abstimmen, welcher Designer künftig dauerhaft im KaDeWe-Angebot zu finden sein soll. Die Vogue schreibt dazu :



    Na? Seh ich euch jetzt spontane Berlin-Besuche einplanen? Ehrlich, ich zweifle. Diese Art Knöpfchendrück-Abstimmung als Social-Media-Application verkaufen zu wollen, das spricht schon Bände! Aber gut, ich werd hingehen und drücken. Und für die Gewinner ist es natürlich eine gute Sache. Neben Vogue und KaDeWe ja vielleicht auch für die meistgewählten Designer...


    Liegt die Zukunft der BFW also im Salon? Und wir Onlinies schauen eher vergeblich in die Röhre oder wuseln uns durchs Gettyimage-Fotogewimmel? Wer auf die Seite des Eigners geht, kriegt andere Antworten.


    Dort ist das logo der Berlin Fashion Week programmatisch von jetzt zwei anderen begeltet, dem langjährigen Schwerpunkt "Sustainable Fashion" und einem neuen namens "Fashion & Technology". Das ist dem Senat und dem zuständigen Wirtschaftsressort so wichtig, dass man beim Klick auf "Kalender" erstmal noch eine extra "News"-Einblendung zur "Zukunftskonferenz #Fashiontech" erhält. Dass du auch ja drüber stolperst, oller Kleiderfan!


    Der Witz ist nämlich, dass deine Klamotten künftig voller News sein werden. An Abenden wie diesem heute sagt mein Mini mir künftig "Hexe, du wirst gleich frieren!" und stört damit meinen Ohrring, mir den neuesten Tratsch über die Tussi in Blau davorn ins Ohr zu flüstern. Erst hast du deine Schuhe mit einem ärgerlichen "ich weiß es!" angeschnauzt, da kritteln die Sensoren aus dem Top an deiner Haltung rum. "So kriegste Rückenschmerzen!" Und natürlich muss dein Slip dir gerade jetzt mitteilen, dass der Typ neben der Tussi unverschämt gut aussieht ...


    Der Markt der Wearables wird riesig! Und wir können dabei sein! Berlin ganz vorne! Man reibt sich die Augen: während Mode nach Ansicht der Hauptverantortlichen für die Fashion Week bisher nur zum Aufpolieren des Hauptstadtglamours da war und zum Anlocken weiterer Berlin-Besucher, wird "Modewirtschaft" plötzlich als Zukunftsthema gesehen! Schlag nach unter http://www.projektzukunft.berlin.de/themen/modewirtschaft/ !!


    Wieviel da modisch bei rauskommt, lassen wir mal offen, und ebenso: ob es Modelabels fördern wird. Der erste Großverdiener dürfte sein, wer den Zug am energischsten auf die Schiene bringt. Und das ist die Telekom. Sie organisiert für den kommenden Februar die Zukunftskonferenz "Touching Innovations 2019 ".


    Aber erstmal darf man sich damit sicher sein, dass die Fashion Week Berlin vorläufig nicht als Auslaufmodel gesehen wird. Im Gegenteil: Wer weiß, was man da noch prima bündeln kann?




    ***


    Edit:
    Dass die Schauen noch als "MBFW"-Schauen laufen, gehört schon auch zum Verdienst des Fashion Council: sie haben Mercedes Benz im Spiel gehalten und präsentieren den Konzern als "offiziellen Partner". Ob der damit mehr macht als er im letzten Sommer schon angkündigt hat, nämlich bei der Nachwuchsförderung aktiv zu bleiben, das darf man noch bezweifeln. Aber in Berlin werden alle Geldgeber von Politikern mit weichen Knien gern "starke Partner" genannt. Solange die im Boot sind, bleiben alle "impressed". MB ist weiter im Boot. Faktisch nur mit der Förderung der Bottner-Schau. Symbolisch aber mit dem Namen. Und das ist wichtig.

  • Vielen Dank für deinen ausführlichen Beitrag, Ich bin morgen und übermorgen ohnehin in Berlin, vielleicht schaff ich es, mir die Ausstellungen im KaDeWe mal anzusehen.

  • Ich bilde mir ein, ich hätte am Rande mitbekommen, dass zumindest einzelne Shows auch mit Public Viewing außerhalb ergänzt werden sollten. Da ich aber im Moment den Fuß gebrochen habe und etwas immobil bin, habe ich das nicht näher verfolgt.


    Wie lange läuft die Sache im KaDeWe eigentlich?

  • Ich bilde mir ein, ich hätte am Rande mitbekommen, dass zumindest einzelne Shows auch mit Public Viewing außerhalb ergänzt werden sollten.


    Ja, es gab vor dem ewerk einen Großbildschirm, auf dem die Schauen live verfolgt werden konnten. Das ist dann auch als Livestream ins Netz gestellt worden. Aber im Unterschied zu früher konnte man selbst das nicht im Laufe des Tages versetzt gucken, sondern wenn du den Moment live verpasst hast, war es nicht mehr nachzuholen.


    Technisch wäre es auch nicht allzu schwer, Aufzeichnungen als separate Videos ins Netz zu stellen. Und da dieses Prinzip aus meines Wissens allen Fashion Weeks der Welt vertraut ist, muss man wohl sagen: da kümmert sich niemand, weil daran kein Interesse ist.