Modeln und Gewissen bei kritischen Produkten

  • Hallo,


    da es im Jana Editorial Thread OT wird, habe ich einen neuen Thread eröffnet. Es geht um die Frage inwiefern ein Model hinter dem Produkt stehen sollte für das es wirbt.


    Meiner Auffassung nach ist am wichtigsten bei einem Job, dass man ihn mit seinem Gewissen vereinbaren kann. Schliesslich soll die Werbung ja dazu führen, dass noch mehr Leute dieses Produkt konsumieren.


    Also im Klartext, wenn man Werbung für Pelze macht, muss man damit rechnen, dass weitere Tiere für ein Luxusprodukt sterben müssen. Wenn man für Textilien oder Teppiche wirbt, bei denen die Hersteller unter Verdacht stehen Kinder zu beschäftigen, muss man damit rechnen, dass weitere Kinder ausgebeutet werden.
    Ich sehe das Model mit in der Verantwortung, denn gerade wenn es prominent ist, trägt es durch Werbung (dazu zähle ich Fotostrecken in Modezeitschriften) zur Bekanntmachung und Verbreitung des Produkts bei.


    Dass jetzt andere Tiere bei der Wurstherstellung sterben oder Kinder in Indien auch im Kieswerk arbeiten usw. das hat ja mit dem konkreten Fall nichts zu tun und ist auch keine Rechtfertigung noch mehr Unrecht, Leid (oder wie man es nennen möchte) zu provozieren.


    Wie seht ihr das, ist das Model gefragt sich soweit wie möglich zu informieren und eine bewusste Entscheidung zu fällen oder kann man das einfach nicht verlangen?

  • Nein ich glaube das ist auch gar nicht wirklich möglich so leicht an die wirklich wahren Hintergrundinfos zu kommen.
    Es würde ja z.B. kaum ein Schokoladenhersteller zugeben das er Kinder beschäftigt und da sind schon erfahrenere Nachforscher in böse Situationen geraten.
    Sie kann ein paar Grundsätze haben z.B. keine Pälze, Alkohol oder Zigarretten.
    Aber im Grunde genommen dürfte sie auch für gar nichts werben denn auch die großen Desingner/Hersteller achten kaum auf Umwelt oder Mitmenschen.
    Höchstens für Rapunzel oder Demeter oder den nächsten Biohofladen.

  • Ich glaube nicht, dass man als Model recht wählerisch sein darf mit den Produkten die man bewirbt. Klar wenn man Peta-Aktivistin ist, wird man Jobs mit Pelzen ablehnen. Barbara hat mal gesagt, dass sie keine Alkoholwerbung machen würde, da sie viele jugendliche Fans hat. Aber irgendwie muss man mit dem Job ja auch Geld verdienen. Und nicht bei jedem Job kann sich ein Model voll mit dem Produkt identifizieren. Das gleiche gilt aber auch Werbeagenturen oder Fotographen. Sofern einem ein Produkt nicht total widerstrebt, wird man den Job annehmen.

  • Sorry Lucy wenn ich das so sagen muss, aber ich denke du bist zu idealistisch. So kann doch kaum ein Model arbeiten. All die Klamotten werden ja hauptsächlich in Asien gefertigt für wenig Geld.


    So ist die Welt (leider) nicht. Die wird nun halt auch von Geld regiert. Und auch ein Model muss leben.


    Und ausserdem wo will man da anfangen, das fängt in der Pharmazie an und hört beim Trash-TV auf....

  • Ich denke auch nicht, dass ein "normales" Model da großes Mitbestimmungsrecht genießt. Die Frage ist auch, inwieweit man vor einem Shoot von der Agentur oder vom Kunden aufgeklärt wird, welche Art von Kleidung und welche Marken generell gestellt werden. Weiß das Model das vorher nicht im Detail, kann es sich schwerlich informieren.


    Bei den "großen Namen" im Business wird das schon wieder anders aussehen in punkto Mitbestimmungsrecht. Aber die repräsentieren auch eher eine Eigenmarke (plus entsprechendem Image).

  • Ich denke auch, man muß da einfach realistisch sein. Wer wirklich erfolgreich als Model arbeiten will, wird es sich schlichtweg nicht leisten können, alle möglichen Sachen abzulehnen. Da kann ein Mädchen sicherlich noch eher topless-Fotos verweigern als Fotos mit Pelzen. Und so gesehen müßten wir alle Models verteufeln, die wir kennen, da die alle schon mit Pelzen/Zigarette/in Kinderarbeit gefertigten Produkten/Lebensmitteln, mit denen der Verbraucher verarscht wird oder was auch immer posiert haben. Ich glaube, es gibt wahrscheinlich unter 100.000 Models eins, wenn überhaupt, das so rigoros ist und trotzdem Erfolg hat.
    So gesehen müßten wir konsequenterweise die ganze Model- und Modeindustrie ablehnen.
    Modeln ohne Pelze oder andere Produkte, die gegen den Schutz von Tieren oder Kindern verstoßen, das ist wohl fast so schwierig, wie Pharmareferentin zu sein und prinzipiell Produkte aus Tierversuchen abzulehnen. ;)
    Andererseits finde ich es trotzdem nicht schlecht, wenn es dann bei dem betreffenden Model jeweils kritisch hinterfragt wird, sei es nun seinerzeit bei Barbara oder Larissa bei einem bestimmten "verbraucherverarschenden" Joghurt, bei Vanessa in einem anderen Forum betreffend Pelze und Krokotaschen auf dem Laufsteg oder jetzt eben bei Janas Pelzeditorial. Ich war da ja auch sehr im Zwiespalt, weil es mich einerseits gefreut hat, Janas Editorial zu sehen, und ich es auch schön gemacht fand von der Art her, aber mich die Pelze natürlich trotzdem gestört haben.

  • Eben.


    Quote from "Konnimausi"

    Und so gesehen müßten wir alle Models verteufeln, die wir kennen, da die alle schon mit Pelzen/Zigarette/in Kinderarbeit gefertigten Produkten/Lebensmitteln, mit denen der Verbraucher verarscht wird oder was auch immer posiert haben.


    So gesehen müsste sich jeder von uns zuerst an die eigene Nase fassen, bevor er mit dem drohenden Zeigefinger auf die einzelnen Models zeigt (um Missverständnissen vorzubeugen: ich spreche hiermit keinen User aus diesem Forum an), die nur repräsentativ für eine ganze Industrie stehen.


    Und ich gehe stark davon aus, dass nur ein Bruchteil der Menschen zu 100% bewusst bzgl. seines Konsumverhaltens lebt.
    Ich kann für mich nur ehrlich sagen: ich versuche genau das zwar, wo ich kann, bin aber auch fehlbar und dementsprechend nicht in der Position, mich zum Moralapostel aufzuschwingen.

  • Da hast du natürlich vollkommen recht, salmakia. Auch wenn hier möglicherweise keiner bzw. keine Pelz trägt, werden wir alle genug Produkte benutzen, die man eigentlich auch nicht guten Gewissens benutzen dürfte. Da ist dann schon die Frage, mit welchem Recht man ausgerechnet auf die Pelzträger mit dem Finger zeigt. Klar, Pelz ist ein Luxusprodukt, aber Lederhosen, Lederschuhe und ähnliche Sachen sind da auch nur marginal "besser" und werden meiner Meinung nach nur deswegen nicht verteufelt, weil sie eben im Gegensatz zu Pelzen gesellschaftlicher Standard sind.

  • Man muss doch in der Diskussion unterscheiden zwischen normalen Models und Prominenten, zu letzteren gehört Jana. (Ja, natürlich ist Jana auch ein Model, aber das lassen wir hier mal nicht Kern des Pudels sein.)
    Dem normalen Model wird wohl niemand einen Vorwurf machen, wenn es Pelze trägt und für Zigaretten wirbt, da sind die Verantwortlichkeiten ersterhand woanders zu suchen. Bei Prominenten mit einem gewissen Wirkungsradius unter 8- 15-Jährigen schauts schon ein bisschen anders aus, die haben durchaus ihr Tun ein bisschen mehr zu verantworten. Ob man ausgerechnet für Pelze werben muss oder für die Bildzeitung, wenn die mal anklopft (Gottseidank noch nicht geschehen) überlegt man sich doch dann zweimal. Denn jedes Produkt, das mies ist oder sich derartig entpuppt, fällt auch unter Umständen auf den Werbeträger zurück. Siehe analog den Fall neuerlich, in dem der bgh entschieden hat, dass Prominente in einem Fall, in dem für faule Finanzprodukte geworben wurde, auch straflich dafür belangt werden können. Ist natürlich ein spezieller Fall.


    Quote

    So gesehen müsste sich jeder von uns zuerst an die eigene Nase fassen, bevor er mit dem drohenden Zeigefinger auf die einzelnen Models zeigt (um Missverständnissen vorzubeugen: ich spreche hiermit keinen User aus diesem Forum an), die nur repräsentativ für eine ganze Industrie stehen.


    Ups, das hatte ich überlesen, will aber auch noch kurz was dazu sagen.
    Nur weil niemand perfekt ist, ist das kein Grund, sich in moralische Bequemlichkeit zurückzuziehen nach dem Motto: ich darf keine Meinung haben und nichts kritisieren, weil ich nicht Jesus, der unfehlbare Mensch bin.


    Man kann vielleicht nicht 100% friedlich von dem leben und sich kleiden was von selbst von den Bäumen fiel, aber man kann dem ja schon mal ein Stückchen entgegenwirken, indem man auf einiges verzichtet, was so schwer nun auch wieder nicht ist, weil die Industrie diesen Markt schnell erschließt und Alternativ- und Substitutprodukte anbietet.


    Edit Konnimausi: Doppelposts zusammengefügt. Bitte keine Doppelposts innerhalb von 6 Stunden, sondern Editierfunktion benutzen!

  • Auch ein Model muss nicht alles (mit)machen, ganz egal ob Besetzungscouch oder Pelze.


    Oder Werbung für Schokoladenhersteller: http://www.youtube.com/watch?v=7OETunSFgsQ


    Schokoladenhersteller ist u. a. auch Lambertz, für den viele OneEins-Models Werbeauftritte hatten: http://www.fairtrade.de/cms/me…Seiten_der_Schokolade.pdf (Dann im PDF nach "Lambertz" suchen).

  • Da hast du recht, Carlos. Dann müßten sich alle Models um die wenigen Werbejobs für Naturkosmetik, ökologisch produzierte Leinenkleider und Fair-Trade-Schokolade drängeln. Also insofern könnten wir wirklich von allen Models verlangen, daß sie den Beruf aufgeben.
    Gut, Pelze sind jetzt natürlich eins der krasseren Beispiele, aber das liegt teilweise auch einfach daran, daß bei anderen Produkten deren Kritikwürdigkeit nicht so in der Öffentlichkeit diskutiert wird oder etwas schwerer zu durchschauen ist.

  • Ein wesentlicher Aspekt ist eben auch, dass man es beim Pelz einfach visuell näher gebracht bekommt- man sieht das Fell des Tieres ja. Bei "normal " (also nicht von fairtrade, el puente, dwp, GEPA und weiteren in Weltläden) gehandelten Produkten ist der schlimme Aspekt ja der der unfairen Bezahlung, Kinderarbeit und der durch Substanzen und/oder mangelnde Hygiene anfallenden menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen samt Folgekrankheiten. Das habe ich leider auch immer wieder feststellen müssen- es ist "schicker" gegen gewisse populäre Dinge zu sein -Pelze sind wirklich ein gutes Beispiel, nicht zuletzt deshalb weil sie vom Durchschnitt ohnehin nicht bezahlt werden können- als einfach ab und zu fair zu kaufen. Konsumenten sind wir alle, DA kann jeder anfangen. Dennoch ist das Pelzeditorial auch nicht nach meinem Geschmack, und in meinen Augen gebührt jedem Model das, wenn es sich erst einmal einen gewissen Status erarbeitet hat, von solchen Luxusprodukten (trotz des Geldes) Abstand nimmt. Jana sehe ich da eher weniger in dieser Position- gerade weil sie sich ja nun von ihrer Entdeckerin und dem Fesselclan losgesagt hat.

  • Ansich ist die Diskussion doch vollkommen überflüssig. Denn dann dürften Viele keine Werbung mehr für Hersteller machen,die in China produzieren lassen und das sind nun ein Großteil der Hersteller. Oder über subventionierte Lebensmittel oder was auch immer.

  • Sich um einen Auftraggeber gar nicht zu bemühen, weil man weiß, dass es bei Firma XY um Pelze geht, weil die vor allem sowas herstellen ist eine Sache. Auf dem Set erst das Teil umgehängt bekommen eine andere.


    Wichtiger esrscheint mir die Frage: Darf das gleiche Model, das für Pelze geworben hat, bei einer anderen Gelegenheit vor der Kamera sagen, dass es privat nie Pelz trägt und die Herstellung von Pelzen abscheulich findet?
    Inwieweit ist ein Model Werbeikone und in wie weit nur Kleiderstange, die das Produkt tragen "darf"?


    Ich weiß nicht, ob Jana privat Pelz trägt, ob sie überhaupt tierlieb ist, ob es sie überhaupt juckt wie etwas hergestellt wird und was dahintersteckt.
    Klar ist nur: Jana ist nicht eine kleine Modelnummer, bei der es darum geht, mit dem Geld des Jobs die Miete zu bezahlen und den leeren Kühlschrank zu füllen. Es sei denn, sie hätte ihre Einnahmen aus dem Sieg und den Folgejobs schon verprasst.


    Gewissen ist ein Luxus, den sich nur leisten kann, wer nicht um die eigene Existenz bangen muss. Und meiner Meinung nach könnte Jana sich das leisten. Aber nur, wenn sie im Vorfeld weiß, worum es geht und sich erst gar nicht darum bewirbt bzw. ihrer Agentur klar macht, dass sie für diese Kategorie nicht gebucht werden möchte.

  • Jana IST eine kleine Modelnummer. Die große Kohle machen ganz andere Leute. ;)
    Aber das heisst nicht, dass man sich (komplett) verkaufen muss. Und das meine ich generell.


    Da gebe ich Dir Recht! Wenn sich jetzt die Organisation "Peta" öffentlich über ein Model aufregt, dass sie Tierfelle trägt - dann kann man zumindest behaupten, dass das Model einen gewissen Status erreicht hat! ;)
    Ich glaube aber, dass Models in ihren Anfängen einfach Angst haben, dass sie schnell im Abseits stehen, wenn sie gewisse Jobs aus ethischen oder sonstigen Gründen nicht annehmen. Wir wissen ja nicht was Jana darüber gedacht hat?! Vielleicht hatte sie ja sogar kein gutes Gefühl bei ihrem Job.

  • Oder es hat ihr sogar gefallen, so weich und kuschelig und edel.
    Wir wissen es einfach nicht. Warum sollen wir überhaupt davon ausgehen, dass Jana die geringsten Skrupel hat Pelz vorzufürhen?
    Es gibt dazu keine Statements von ihr oder Interviews - richtig? Und so lange müssen wir einfach ins Blaue hinein vermuten.
    Wenn sie auf eine Backstagebild oder bei einem Event in Pelz gesehen wird, sind wir schlauer. Oder ein Reporter fragt nach.